Wie der Duft der Proustschen Madeleine beeinflusst Erinnerung an Vergangenes die Wahrnehmung der Gegenwart, woran sie die Frage anschließt, wie wir mit Erinnerung umgehen und wie Erfahrungen und Wissen für die Zukunft zugänglich gemacht werden können.
Die Erinnerung an schöne Momente spendet Halt, während die Konfrontation mit gewesenen Niederlagen und Demütigungen Unsicherheit verursacht. Obwohl Vergangenes unwiderruflich verloren scheint, ist es doch immer in unseren Handlungen präsent, und wie unsere Identität wird das, was wir erinnern, beständig neu konstruiert, konnotiert und ausgelegt. Genauer betrachtet, vollzieht sich “Erinnern” in einem vielschichtigen Prozess: Der Körper hat, wie zum Beispiel zum Bewegen der Finger beim Klavierspiel, seine eigene Art zu erinnern. Neben diesem verarbeitenden Gedächtnis existieren weitere individuelle Gedächtnisformen, zum Beispiel das episodische, das uns Zusammenhänge aus der Vergangenheit in unseren Lebenslauf einordnen lässt, oder auch das wahrnehmende, das es uns ermöglicht, Personen und Dinge zu erkennen und zu benennen. Das kollektive Gedächtnis hingegen umfasst die Erinnerung an übergreifende Ereignisse einer Gruppe oder einer Nation, in einer Familie kommt dieses unter anderem in gemeinsamen Ritualen zum Ausdruck.
“Konstruktionen des Augenblicks” stellt in Zitaten, Interviews, Textausschnitten, Geräuschen und Musik verschiedene Arten des Erinnerns nebeneinander und blickt dabei in private und kollektive Gedächtnisse. Die Sendung ist eine Einladung, sich assoziativ mit der Frage auseinanderzusetzen, was “Erinnern” bedeutet und wie es kreativ und konstruktiv genutzt werden kann.
Erstausstrahlungen: 06.10.2007 WDR3.pm
Wiederholungen: 26.01.2008
Sprecher: Karin Buchali, Sigrid Burkholder, Anja Niederfahrenhorst,
Bodo Primus, Sebastian Schmeck, Hans Schulze
Ton und Technik: Alexander Hardt
Text und Regie: Mareike Maage und Moritz Fehr
Redaktion: Gabriele Faust
Produzierende Sender: WDR3
Länge: 175 min